Streng genommen haben wir kein Glaubensproblem.
Wir haben ein Einordnungsproblem.
Denn, wenn heute jemand öffentlich hingerichtet wird, dessen Tod zweifelsfrei festgestellt ist – inklusiver römischer Endkontrolle , der begraben wird und drei Tage später wieder auftaucht, dann beginnt keine Religion, dann wird auch nicht gleich ein Osterbrauch etabliert.
Dann beginnt ein Meeting.
„Also, hört mir kurz zu: Typ, tot, kommt zurück, aber ohne Gewalt, ohne Bedrohung, stattdessen Vergebung, eher ruhig, wenig Action…“
Stille im Raum.
Jemand räuspert sich.
„Ist das wenigstens limitiert oder planen wir mehrere Staffeln?“
Und noch bevor jemand antworten kann, ist die eigentliche Entscheidung längst gefallen. Nicht über die Geschichte – sondern über ihre Verwertbarkeit.
Und damit sind wir mitten im Problem. Denn es gibt in unserer Zeit eine stille Vorbedingung für Realität: Sie muss anschlussfähig sein. Ein Gedanke, den man sich merken sollte.
Damals stellte man sich eine andere Frage? „Was bedeutet das?“
Heute stellen wir zuerst die einfachere Frage: „Wo gehört das hin?“
Ein kleiner Umweg. Kinder fragen nach der Bedeutung. Erwachsene nach Kategorie. Das eine öffnet, das andere beendet.
Aber nun zurück zur Auferstehung.
Als Begriff ist sie unangenehm. Sie verlangt Geduld, Interpretation, manchmal sogar Widerspruch. Sie zwingt uns, einen Moment auszuhalten, in dem noch nichts entschieden ist.
Ein Zombie hingegen ist ein Serviceangebot. Er bringt sofort Klarheit. Er nimmt uns jede Deutung ab. Er ist, wenn man so will, die Fast-Food-Version des Unbegreiflichen.
Und Fast-Food hat einen Vorteil: Es funktioniert immer.
Hier schließt sich leise der erste Kreis. Denn was leicht konsumierbar ist, setzt sich durch.
Ein kleiner Abzweig.
Unsere Zeit hat nicht nur gelernt, alles einzuordnen – sie hat gelernt, aus allem ein Format zu machen. Selbst Sinn wird heute kuratiert, portioniert und in angenehme Häppchen gepackt.
Es gibt inzwischen kaum noch Fragen ohne begleitenden Podcast. Kaum noch Zweifel ohne sofortige Kommentarfunktion. Kaum noch Stille ohne Hintergrundmusik.
Und hier, genau hier, sitzt die Stelle, an der es kurz angenehm wird.
Vielleicht hätten wir selbst dann ein Problem mit der Auferstehung, wenn sie heute noch einmal exakt so geschehen würde.
Nicht, weil wir sie nicht glauben könnten. Sondern weil wir sie sofort verwerten würden. Jesus wäre kaum aus der Höhle, dann würden in schon Legionen von Interviewern, Analysten, Podcastern, Korrespondenten und irgendwelche Typen vom Staat, die dieses Wunder sofort unter ihre Kontrolle bringen würden. Nationale Sicherheit oder so.
Wir würden diskutieren, einordnen, auseinandernehmen, emotional aufladen, algorithmisch verstärken – und am Ende so lange bearbeiten, bis sie nicht mehr herausfordert, sondern nur noch funktioniert.
Ein Wunder – optimiert auf Reichweite.
Also, Jesus würde entweder wie einst durch den Tempel wüten und die Vertreter des Kapitalismus des Altertums quer durch die Hallen jagen, oder, Jesus sucht sich das nächstbeste Kreuz, steig hinauf und klebt sich endgültig an das Holz um seine endgültigen Worte zu sprechen.
„Und für das habe ich alle Sünden der Menschen getragen?“
Das ist dann der Moment, in dem man kurz innehält.
Denn das ist keine Kritik an der Religion. Es ist eine Kritik an uns.
Gut, zurück zur Hauptlinie.
Religionen haben versucht, Bedeutung zu bewahren. Die Moderne hat gelernt, Bedeutung zu beschleunigen.
Beides hat seine Logik. Beides hat seinen Preis.
Und irgendwo dazwischen liegt dieser eine, schwer greifbare Moment, in dem etwas einfach geschieht.
Ein kurzer Blich in einen Writers‘ Room:
„Also, er ist zurück…“
„Gut.“
„… aber es geht eigentlich darum, dass die Leute sich ändern.“
Pause.
„Das ist kein Plot.“
„Nein.“
„Was ist es dann?2
„Eine Zumutung.“
Hier sitzt der Schnitt. Denn vielleicht ist genau das der Kern: Wir akzeptieren vieles – solange es uns nicht verändert.
Zurück zum Anfang. Realität muss heute anschlussfähig sein. Das bedeutet: Sie muss passen – Sie muss funktionieren – Sie muss sich einfügen.
Und wenn sie das nicht tut?
Dann machen wir sie passend. Oder wir ersetzen sie durch etwas, das es tut.
Zombie, zum Beispiel.
Ein letzter Bogen.
Der Zombie ist sofort verständlich. Die Auferstehung nicht.
Der Zombie lässt uns in Ruhe. Die Auferstehung nicht.
Der Zombie ist das Ende einer Frage. Die Auferstehung ihr Anfang.
Und vielleicht ist genau, dass der Grund, warum wir heute so schnell wären mit unserer Einordnung.
Weil wir uns daran gewöhnt haben, offene Fragen möglichst effizient zu schließen.
Ein letzter Gedanke, ganz leise…
Es könnte sein, dass wir nicht den Glauben verloren haben.
Sondern die Geduld, die er braucht.
Beitragsbild erstellt von Gemini – Nach einem Prompt von mir.

