Ein heller Bogen um den Mond

Jahre der Dunkelheit

Seit nun ein paar Jahren leben wir im Prinzip in dunklen Zeiten. Corona war eine Pandemie, die uns brutal die Grenzen gezeigt hat. Was Vorbereitungen, Krisenpläne, das Miteinander, die Unfähigkeit noch normal miteinander zu kommunizieren, Falschwissen, Nichtwissen. All die Eskalationen verbaler und politischer Natur. Vertrauenskrisen, Glaubwürdigkeitsverluste, Polarisierungen überall auf der Welt.

Verschwörungserzählungen, abartige Theorien über Flacherde und andere Formen von Wissenschaftsverweigerung. Zunehmende Vertrauenskrisen in Institutionen und der Wissenschaft.

Sagt einmal, Ihr Zweifler. Ist Euch nicht klar, dass Wissenschaft nicht die Antwort auf Alles ist, sondern daran arbeitet die Antworten zu finden? Durch Forschung und Bildung, durch Neugier und dem Drang, Wissen zu erschaffen. Und nicht durch wirre Theorien über Fachgebiete, die man besser den Fachleuten überlassen sollte.

Seit Anfang 2020 hat sich der Planet massiv verändert. Und das zum Schlechteren. Alles scheint den Bach runter zu gehen. Die globalen Ordnungen fransen aus und gleiten Schritt für Schritt ins Chaos.

Wir haben nicht das erste Mal seit Corona Lieferkettenprobleme, Energie- und Inflationskrisen, Schulden- und Währungskrisen und eine immer offensichtlicher werdende Krise auf der ganzen Welt, die sich als Kosten- und Lebenshaltungskrisen manifestiert haben. Immer mehr Menschen bekommen Angst.

Und all die Kriege, Ukraine, Venezuela, Iran, immer mehr Spannungen im Nahen Osten, Spannungen wirtschaftlicher Natur wie die Spannungen zwischen den USA und China. Das ist zwar noch nicht so aktuell und hat kein definiertes Startdatum, aber eine anhaltende Risikoquelle.

China will Taiwan heim ins Reich holen, obwohl Taiwan noch nie zu China gehörte. Im Grunde nichts als die alte Diktatur- und Hegemoniegeilheit von flächenmäßig großen Nationen.

Dann die zunehmenden Angriffe auf kritische Infrastruktur. Über das Internet und ganz altmodisch mit manuellen Zerstörungswerkzeugen. Die zunehmende Brutalität im ganz normalen Alltag.

Dann die zunehmenden Wetterextreme, wie Überschwemmungen, Waldbränden, Hitzewellen, Dürren, Starkregen, schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel. Und der dramatische Verlust an Biodiversität. Artensterben nicht zu vergessen.

Wenn Hoffnung verschwindet

Wundert es da noch, dass viele Menschen resignieren und Antworten in den am einfachsten zu erreichenden Gruppen suchen, im Grunde aber nicht mehr an Dialogen interessiert sind, sondern nur noch an Konflikten?

Es scheint so, als hätten wir aufgegeben zusammen nach Lösungen zu suchen und nur noch Ideologisch zu denken und keine anderen Meinungen mehr zu akzeptieren. Die Frustration ist irgendwie eine neue Zivilisationskrankheit.

Wir mögen uns nicht mehr, wir freuen uns nicht mehr, wir beginnen gewissen Feindschaften zu pflegen.

Und dann startet eine Rakete. Sie fliegt zum Mond, umrundet ihn einmal und kommt dann wieder zurück. Einfach so.

Ich habe mir den Start der Artemis angesehen und erinnerte mich an die Nacht im Jahre 1969, als mein Opa mich mitten in der Nacht aufweckte, damit ich Neil Armstrong beim Betreten des Mondes zuschauen konnte. Man kann dieses Ereignis und seine Bedeutung in der heutigen Zeit nur wenigen Menschen erklären. Heute werden die Menschen jeden Tag mit Superlativen oder was dafür gehalten wird, unter Dauerbeschuss gehalten. Damals war das ein Weltereignis.

Dieses Ereignis damals hat die Welt bewegt und unzählige Menschen zu was auch immer inspiriert. Es war ein monumentales Ereignis. Es war das Ergebnis dessen zu was die Menschen fähig sind.

Irgendwie fehlt das in der heutigen Zeit. Bis auf, bis auf den Start der Artemis Mission zum Mond. Vor ein paar Stunden hat die Kapsel den Kurs zum Mond eingeschlagen.

Ein neuer Sonnenstrahl

Nach Jahren der gefühlten Dunkelheit reicht manchmal ein einziger Sonnenstrahl aus, um uns daran zu erinnern, dass unsere Welt nicht nur aus Kälte besteht. Diese Mondmission ist, jedenfalls für mich, genauso ein Sonnenstrahl. Nicht am Himmel, sondern im inneren Klima dieser Zeit.

Überall eskaliert es, Demokratien wackeln und die neuen Superbösewichte der Gegenwart, die Tech-Milliardäre, die sich gefühlt die Welt vorbereiten um eines Tages ohne Politiker zu herrschen, wo die Nachrichten inzwischen nur noch aus Informationen direkt aus der Hölle sind, da beginnt etwas Neues.

Nicht wie damals in den 1960er Jahren wo der Kalte Krieg die Motivation für die Mondlandung war. Diesmal ist es anders. Es geht um Wissenschaft, um Forschung, um Vorbereitungen für ambitioniertere Ziele.

Der Mond ist kein Pokal, keine Siegtrophäe mehr, er soll zum Ort der Forschung und Wissenschaft werden, zu einer Brücke in die Zukunft. Und dafür arbeiten immer mehr Länder zusammen. Was in früheren Zeiten nahezu unmöglich erschien, funktioniert nun. Der Gedanke, dass wir im Team einfach besser sind und noch besser werden können.

Mehr als nur eine Mission

Vielleicht ist diese Mission nicht nur für die kommenden Weltraumfragen wichtig, vielleicht ist sie sogar wichtiger damit wir in diesen Zeiten endlich wieder einmal inspiriert werden um danach zu trachten, die Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen.

Der Mond als Labor der Zukunft

Der Mond ist nicht nur unser treuer Begleiter und Garant dafür, dass es überhaupt Leben auf der Erde gibt. Der Mond wird viel mehr werden. Er wird unsere Kompetenzen erweitern, er wird zum Labor, seine Rückseite wird eines Tages der Ort für neue Radioteleskope sein um noch mehr über das Universum zu erfahren.

Wir werden schon bald durch die Mondlabore mehr über das Universum erfahren. Wir werden über Ressourcengewinnung lernen, wie wir zukünftige Weltrum-Missionen überhaupt beginnen können.

Es wird an neuen Technologien geforscht werden, die uns auf der Erde helfen werden und wer weiß. Vielleicht inspiriert dieses neue Zeitalter die Menschen auf dem Planeten Erde, die Dinge wieder anders zu sehen und mehr nach Problemlösungen zu suchen.

Dieser eine Sonnenstrahl der nicht von unserem Mutterstern kam, sondern von den Triebwerken der Rakete wird vielleicht zu einem neuen Symbol. Er wird wahrscheinlich keine Kriege beenden, keine kranken System heilen, er wird auch keine Ungerechtigkeiten tilgen.

Die vier Menschen in der Kapsel, die schon bald hinter dem Mond verschwinden wird, sie tragen mehr als Flaggen und Logos. Sie transportieren die leise Möglichkeit die uns vielleicht eines Tages anders über uns sprechen lässt, uns annähern lässt. Vielleicht machen sie uns klar, dass wir endlich damit beginnen müssen, das Ändern endlich zu Leben.

Aus Verantwortung für uns alle, als eine Möglichkeit endlich die Streitereien, die Konflikte, all das Negative in Positives zu verwandeln.

Ein heller Bogen um den Mond

Möglicherweise werden wir in ein paar Jahrzehnten auf Artemis zurückblicken wie auf einen Morgen, an dem die Sonne nach einem langen, kalten Winter zum ersten Mal wieder warm war. Es war nicht alles sofort gut. Aber alles war wieder beweglich.

Und vielleicht reicht genau das: ein heller Bogen um den Mond, der uns zeigt, dass unsere Zukunft mehr sein kann als die Verlängerung unserer dunkelsten Tage.

Vielleicht brauchen wir wirklich nur diesen einen Sonnenstrahl.

Beitragsbild erstellt von Gemini nach einem Prompt von mir.