Manchmal fühlt sich Denken als Widerstand an. Hin und wieder frage ich mich, ob all das, was ich hier aufschreibe, noch Analyse ist – oder bereits ein Versuch, mich selbst zusammenzuhalten. Die Welt schreit. Jeden Tag. Kriege, Machtspiele, Hegemonien in Anzügen, Maschinen, die schneller denken als wir, Arbeit, die ihre Bedeutung verliert, Menschen, die sich verlieren. Und dazwischen mein eigenes Leben, meine eigenen Sorgen, leiser vielleicht, aber nicht weniger real. Ich lese Nachrichten und habe das Gefühl, sie lesen mich zurück. Als wüssten sie genau, wo sie drücken müssen. Russland, China, die USA – ein permanentes Kräftemessen, als wäre die Welt ein Schachbrett und wir bloß Figuren, die man verschiebt oder opfert. Gewalt wird erklärt, gerechtfertigt, relativiert. Toleranz wird zur Ausrede, Angst zum politischen Werkzeug. Und ich sitze da und frage mich, wie viel davon ein Mensch eigentlich aushalten kann, ohne innerlich zu kippen. Dann ist da die Arbeit. Dieses tägliche Funktionieren. Menschen, die rennen, obwohl sie nicht mehr wissen, wohin. Maschinen, die übernehmen, Algorithmen, die entscheiden, Märkte, die fordern, aber nichts zurückgeben außer Erschöpfung. Ich sehe es in Gesichtern, höre es in Gesprächen, spüre es in mir selbst. Arbeit formt uns – und gerade formt sie uns müde.